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"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist"

Im Sommer 2012 wurden nun auch in Völklingen "Stolpersteine" verlegt. Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas - insgesamt über 30000 Steine.
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Auf den Steinen steht geschrieben: HIER WOHNTE... Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.

Diese Verlegung der Steine zu begleiten und mehr über die Lebensgeschichte der Menschen zu erfahren, an die Gunter Demnig in Völklingen erinnern will, hat sich die Klasse 8H2 - jetzt 9.2 - mit ihrer Kunst- und Religionslehrerin Frau Chemendy und ihrer Klassenlehrerin Frau Meier zum Ziel gesetzt.  

Nach ersten Gesprächen mit Mitgliedern des Aktionskreises starteten wir mit einem Stadtrundgang in Völklingen. Herr Kesternich führte uns an Orte in unserer Stadt, die heute noch an die Zeit zwischen 1933 und 1945 erinnern, so z.B. den Ausländerfriedhof, auf dem russischen Zwangsarbeitern, die in der Hütte tätig waren, gedacht wird. Auch sahen wir uns einige Denkmale an, an denen wir zwar schon oft vorbeigegangen sind, deren Zweck wir allerdings bis heute nicht kannten. Seht selbst!

Am Dienstag, 29.05.2012, erwarteten wir nun Besuch in unserer Klasse: Herr Bermann, der über 20 Angehörige in der Zeit des Nationalsozialismus verloren hat, kam zu uns und berichtete uns von seinem Leben- damals und heute - und natürlich von seiner Familie. Für 5 Angehörige der Bermanns werden am 5. Juli Stolpersteine in Ludweiler verlegt.

Wir hatten uns gut auf den Besuch vorbereitet und jede Menge fragen an ihn. Um auch nichts von den Informationen zu verlieren, filmten wir seinen Besuch. Auch ein Vertreter der Saarbrücker Zeitung - Herr Annen - nahm an diesem Besuch teil: Er fand unser Projekt interessant und wird über die Aktion Stolpersteine berichten.

Am 11. Mai starteten wir nun aktiv in die Arbeit: Die eine Hälfte der Klasse ging mit Frau Chemendy ins Stadtarchiv am alten Bahnhof in Völklingen, um dort etwas über die Lebensdaten der 7 Personen, an welche am 5. Juli mit der Verlegung der Stoplersteine gedacht wird, herauszufinden. Der neue Leiter des Archivs, Herr Christian Reuther, gab uns erst eine kleine Einführung über die Verfolgten im Dritten Reich. Im Laufe dieses Gesprächs fiel uns auf, dass man sehr schnell Eigenschaften von einzelnen Personen auf eine ganze Volksgruppe bezieht- auch heute noch ("die Türken", "die Zigeuner", ...) und oft eher unbewusst.

Dann ging es an die Arbeit. Herr Reuther zeigte uns, wie wir mit den Dokumenten umgehen sollten- Handschuhe waren bei einigen Schriftstücken Pflicht, um sie nicht zu zerstören. Wir fanden eine Menge an Informationen, mit welchen wir in den nächsten Wochen weiterarbeiten werden.

Zur gleichen Zeit gestaltete der Rest der Klasse die ersten Plakate zum Stadtrundgang und sammelte Informationen aus dem Internet über das Projekt "Stolpersteine"  in Völklingen.


Am 18. Juni besuchten wir im Rahmen unseres Projektes das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsaß. Bei traumhaftem Wetter und wunderschöner Aussicht auf die Vogesen konnten wir kaum glauben, was uns erzählt wurde. 25 000 Menschen sind hier umgebracht worden. Die Überlebenszeit in diesem Lager lag bei 3 Monaten. Harte Arbeit in den Steinbrüchen und mangelnde Ernährung, dazu Strafen, Willkür und auch medizinische Versuche- der Alltag im KZ.

Am 20. Juni besuchten wir nun die Moschee in Völklingen. In den letzten Wochen hatten wir soviel über Hass und Gewalt, über Intoleranz und die Folgen gesprochen, dass es nun Zeit wurde, unseren eigenen Horizont zu erweitern. Ziel der nächsten Ausflüge ist es, alle in unserer Klasse vorhandenen Religionen kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. Bevor wir uns in der nächsten Woche in die Synagoge Saarbrücken begeben, besuchten wir an diesem Tag die Moschee. Herr Sahin führte uns durch das Gebäude und erklärte uns sehr anschaulich die Religion der Muslime.

Nach dem Besuch der Moschee Wehrden hatten wir nun einen Termin in der Synagoge Saarbrücken. Vor unserem eigentlichen Termin schauten wir uns den Standort der alten Synagoge an, die 1938 in der Reichspogromnacht ausgeraubt und zerstört wurde. Am Rathaus suchten und fanden wir Stolpersteine, wie wir sie am 5. Juli 2012 auch in Völklingen erhalten werden. Dann gingen wir zur Synagoge: Wir hatten zwar schon von Herrn Bermann gehört, dass die Synagoge auf Grund von Drohungen stark gesichert ist und von der Polizei bewacht wird, aber als wir die Sicherungsmaßnahmen dann hautnah erlebten, war das schon ein merkwürdiges Gefühl.  Der Kantor Benjamin Chait erklärte uns dann im Innern des Hauses, was die Religion der Juden ausmacht und wie ein Mensch jüdischen Glaubens lebt- ein eindrucksvoller Besuch. Seht selbst.

Bevor wir mit unserer Arbeit am Computer loslegten, befragten wir noch die Zeitzeugin Rita Schreiner in Wehrden. Sie kannte Fredi Wiedersporn persönlich und konnte uns darüber hinaus viel über Wehrden erzählen, wie es früher einmal dort war.

Dann ging es los: All die zahlreichen Informationen, die wir zusammengetragen hatten, mussten nun in die passende Form gebracht werden. Wir hoffen, uns ist das gelungen! Viel Spaß mit unserer Ausstellung, die wir im nächsten Jahr im Zuge der Verlegung weiterer Stolpersteine in Völklingen ergänzen werden.

Am 5. Juli 2012 war es nun endlich soweit: Die ersten sieben Stolpersteine konnten in Wehrden und Ludweiler verlegt werden. Trotz Sommerferien fanden wir uns um 10.45 Uhr in Wehrden ein, um bei der Verlegung des Steines für Fredi Wiedersporn dabei zu sein. Luka und Carmela hatten hierzu einen kleinen Text vorbereitet, den sie bei der Verlegung vortrugen. Danach gings nach Ludweiler, wo die Stolpersteine für die Familie Bermann und für Philipp Kaufmann verlegt wurden. Beim anschließenden Umtrunk wurde unsere Arbeit sehr gelobt, die aber nicht möglich gewesen wäre ohne die Hilfe von (und damit ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle):

Frau Conrad und Herrn Hämer (Aktionskreis Stolpersteine), Herrn Reuther (Stadtarchiv Völklingen), Herrn Bermann (Synagogengemeinde Saar), Herrn Annen (Saarbrücker Zeitung), Herrn Sahin (Moschee Völklingen), Herrn Chait (Synagoge Saarbrücken) Herrn Kesternich (Stadtführung Völklingen), Herrn Brück und Herrn Ulitsch (Fahrt ins Konzentrationslager), Frau Schreiner (Zeitzeugin aus Wehrden), Herrn Bies (Peter-Imandt-Gesellschaft)

Leider stellten wir bereits in den Sommerferien fest, dass der Stein von Fredi Wiedersporn mit einem Hakenkreuz beschmiert worden war. Wir zögerten nicht lange, zeigten dies bei der Polizei an und reinigten den Stein kurzerhand. Schade, dass es immer noch unbelehrbare Menschen gibt, die Hass und Gewalt verbreiten...

Durch diese Reinigungsaktion wurde eine Verwandte von Fredi auf uns aufmerksam. Sie fand es toll, dass wir uns so einsetzen für das Gedenken an ihren Onkel und beschloss kurzerhand, uns zu besuchen und uns den Dank der Familie zu überbringen. Am 12. Oktober 2012 kam sie zu uns in den Unterricht, brachte uns Fotos mit und erzählte uns aus dem Leben der Familie Wiedersporn in den 30-iger Jahren.

Am 18. März 2013 wurden 10 weitere Stolpersteine in und um Völklingen herum verlegt- wir waren natürlich dabei. Unsere Ausstellung über die Personen, zu deren Andenken die Steine verlegt werden, wird ab dem 24. Juni 2013 im Stadtarchiv Völklingen zu sehen sein.

 
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